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Bürgerwache Mengen

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Die Bürgerwache Mengen ist eine Bürgerwehr mit achthundertjähriger Tradition. Mit ihren vier Zügen und etwa 150 Männer und Frauen zählt die Mengener Wehr zu den drei größten Bürgerwehren im „Landesverband historischer Wehren und Garden Württemberg und Hohenzollern“. Die Bürger im „Bunten Rock“ repräsentieren ihre Stadt im In- und Ausland. Die historische Wehr rückt zu kirchlichen und weltlichen Festen aus. Jährlicher Höhepunkt ist das Ausrücken zum Maifest. Hier führt die Bürgerwache am Vorabend eine Serenade mit den „Großen Zapfenstreich“ auf, am Sonntag folgt eine feierliche Prozession durch die Stadt.

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Stundenkonzert mit der Carabinieri-Fanfare in Rom/Capitol, 2013

Geschichte Bearbeiten

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Meldung an Fürst Friedrich von Hohenzollern am 22. Juni 1928

Wann Mengen erstmals die Stadtrechte erhielt, ist nicht genau feststellbar. Kaiser Barbarossa hielt 1170 in Mengen einen Hoftag ab und ein Kaiser machte dies nur dort, wo er eine befestigte Pfalz, Burg oder Stadt vorfand. Also musste Mengen damals schon Befestigungen aufgewiesen haben. 1257 wurde Mengen in einer Urkunde als freie Stadt bezeichnet. Sehr wahrscheinlich bestand zu dieser erneuten Stadterhebung Mengens dort schon eine Befestigungsanlage samt Bürgerwehr. War es zunächst die Not und Gefahrenlage, die jeden wehrfähigen Mann zwang für seine Stadt einzutreten und zu verteidigen, so entwickelte sich immer mehr eine geregelte Wachordnung. Die Form der Ausbildung und die Art der Bewaffnung wurden durch Beschlüsse des Rats geregelt. Wörtlich ist einem Protokoll zu entnehmen: „Jeder Bürger ist kriegsdienstpflichtig. Die Bürger sind in Stadtviertel geordnet und jedes Viertel der Stadt hat eine Rotte zu stellen, denen Rottenmeister vorstanden“.

Die Waffen der Wehrmänner waren ein Harnisch, bestehend aus einem Leibschutz und einer Sturmhaube, auch Blechhaube genannt, eine Hellebarde bzw. der Langspieß und das Schwert. Als Fernwaffen dienten der Bogen und die Armbrust. Alle Waffen musste der Bürger auf eigene Kosten anschaffen. Üblich war, dass das Bogenschießen regelmäßig geübt wurde, wofür es in Mengen eine eigene Schützengesellschaft gab.

Die erste militärische Niederlage ereilte die Stadt 1343 gegen das Heer des Grafen Eberhard den Greiner von Württemberg. Die Chronik berichtet, dass die bewaffnete Bürgerwehr von Mengen im Kampf stand und namhafte Verluste erlitten hatte. Als Folge dieser Niederlage wurde die Stadt erstürmt und geplündert. 1607 wurde die Bürgerwehr erstmals mit Feuerwaffen – mit Musketen – ausgerüstet und ein Schießhaus eingerichtet. In der gefahrvollen Zeit des Dreißigjährigen Krieges erhielt die Bürgerwehr großen Zulauf. Ein Grund dafür war, dass mit dem Eintritt in die Bürgerwehr auch das Bürgerrecht verbunden war. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Oberschwaben von schwedischen Truppen hart bedrängt, die Stadt Mengen sollte von den Schweden ganz eingenommen werden. In ihrer Not versammelten sich am 18. Mai 1632 die Einwohner von Mengen zum Gebet und hatten intensiv die Gottesmutter Maria um Beistand angerufen, deren Bildnis sich daraufhin änderte. Dichter Nebel zog auf, die Schweden konnten nicht angreifen und die Stadt war gerettet. Seither feiert die Stadt die Rettung der Stadt jährlich im Mai („Maifest“).

Nach dem Dreißigjährigen Krieg formierten sich immer mehr „stehende Heere“. städtische Bürgerwehren war jetzt nur noch Hilfstruppen. Immer mehr hatte die Bürgerwehr jetzt nur noch Parade- und Repräsentationsaufgaben. So rückte die Bürgerwache zum Empfang von Persönlichkeiten aus – zum Beispiel 1714 zum Empfang von Prinz Eugen oder 1761 zum Empfang des Reichsprälaten von Petershausen. Am 2. Mai 1770 paradierten 90 Bürger mit „gewehrter Hand sowie Schulkinder mit Holzgewehren“ der österreichischen Kaisertochter Marie Antoinette. Sie war auf ihrem Brautzug von Wien nach Paris und hielt in Mengen Einkehr.

1806 wurde Mengen württembergisch. Nach anfänglicher Ablehnung waren Bürgerwehren von der „neuen“ Herrschaft dann doch gerne gesehen. In den städtischen Protokollen finden sich viele Hinweise, dass die Bürgerwehr (60 Grenadiere) mit ihrer „türkischen Musik“ (24 Mann) regelmäßig paradiert und an Fronleichnam von der Stadt ihren Sold erhält. 1826 wurde auch eine Fahne angeschafft. Die Stadtsoldaten trugen damals dunkle Hosen, einen blauen Rock und weiße Kreuzbänder. Markant war die große Bärenfellmütze der Stadtsoldaten.

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Bürgerwache Mengen im Jahr 1920 (Historische Fotomontage von Pius Bolter)

Die Tradition der Bürgerwache hält sich auch im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Mit Einschränkungen rückte die Bürgerwache sowohl während der Kriegsjahre als auch danach bei festlichen Anlässen aus. 1952 erfolgten eine Neuuniformierung und die Aufstellung eines zweiten Zuges nach dem historischen Vorbild von 1820 bis 1848. Zum Heimat- und Kinderfest 1952 wurde erstmals eine Kindergruppe aufgestellt, die „kleine Bürgerwache“ war geboren.

Die Untergliederungen der Bürgerwache Bearbeiten

Mit klingendem Spiel kündigt sich die Bürgerwache mit ihren vier Zügen an: Unter hämmernden Trommelschlag marschieren Männer und Frauen im „Bunten Rock“ mit leicht wehenden Helmen durch die alte Stadt. Abreißen – Locken – Musik! Und schon schmettert die Stadtkapelle den „Ruetz“. Grenadiere folgen dem Musikzug. Zuerst der Offizier, dann die Fahnenrotte, dann die Gewehrträger. All das gibt es in doppelter Stärke, dem ersten und zweiten Zug. Neben den Zügen läuft der Hauptmann, der die Wehr befiehlt.

Der Spielmannszug Mengen Bearbeiten

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Trommler des Spielmannszugs Mengen (2013)

Die Mengener Spielleute tragen nach dem Vorbild preußischer Muster die zweireihige dunkelblaue württembergische Uniform von 1864/1871. Der Kragen, die Vorstöße und Ärmelaufschläge sind rot, die „Affenschaukel“ und die „Schwalbennester“ rot/weiß. Die Trommler tragen ein weißes Kniefell, den „Schurz“. Der Helm ist eine Pickelhaube mit einem roten Busch. Auf den alten Helmen glänzt ein goldenes „M“ für Mengen, bei den neuen Helmen das württembergische Wappen. Leiter des Spielmannszuges ist der Tambourmajor Hans-Jürgen Lehleiter.

Der Musikzug, zugleich die Stadtkapelle Mengen Bearbeiten

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Musikzug mit Vizedirigent Hans-Peter Lang (2009)

Bereits im Dreißigjährigen Krieg muss es eine Musik in Mengen gegeben haben. So wurde 1623 der Musik das Aufspielen zum Tanze wegen des herrschenden Kriegszustandes in der Stadt untersagt. Die Gründung einer Stadtkapelle fällt zwischen die Jahre 1800 und 1820. So berichtet das Ratsprotokoll von 1821 von der „türkischen Musik“, die zusammen mit dem Militär für das Ausrücken bezahlt wurde. Auch am 27. Sept. 1822, dem Königstag, rückte die Bürgerwache mit den „Janitscharen“ aus. Die Musiker tragen wie der Spielmannszug den württembergischen Waffenrock, jedoch mit goldenen Schwalbennestern und Affenschaukeln. Anfänglich trugen die Musiker auch die Pickelhaube (Helm), nach dem Zweiten Weltkrieg ein „Käppi“ mit rotem Rossschweif. Der Dirigent Ralf Uhl trägt eine Offiziersuniform mit weißem Schweif.

Die Grenadiere des Ersten Zuges Bearbeiten

Die Grenadiere des 1. Zuges mit dem dunkelblauer Waffenrock der Württemberger um 1864/1871 mit Achselwülsten tragen ein „Schweizer Hinterladergewehr, System Schmitt/Rubin Modell 1896/1871“, am weißen Koppel ein Seitengewehr, das am Gewehr aufgepflanzt werden kann. Die Affenschaukel ist rot/schwarz. Der Helm ist eine Pickelhaube mit schwarzem Haarbusch.

Die Grenadiere des Zweiten Zuges Bearbeiten

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Grenadiere des zweiten Zuges (2013)

1952 wurde ein zweiter Zug nach dem historischen Vorbild von 1820/1848 aufgestellt. Der hellblaue Kolettrock hat zwei Knopfreihen, rote Schoßumschläge und rote Ärmelbänder und goldfarbene Epauletten. Der Tradition entsprechend trägt der Soldat im 2. Zug keinen Helm, sondern eine braune Pelzmütze. Die weiße Hose endet in kurzen weißen Gamaschen. Anstelle eines Koppels trägt der Grenadier zwei gekreuzte Riemen, einen für die Patronen, der andere für den kurzen Säbel. Die Schoßumschläge und die weißen Hosen mit Gamaschen verleihen der Uniform einen französischen Charakter. Als Bewaffnung tragen die Grenadiere ein Perkussionsvorderladergewehr Modell 1777 mit Kaliber 0,69.

Der Hauptmann und seine besondere Verantwortung Bearbeiten

Höchster Offizier der Bürgerwache ist der Hauptmann. Er hat die Befehlsgewalt. Sichtbares äußeres Zeichen seiner Macht ist sein weißer Busch, sein Dienstabzeichen auf den Epauletten und am Ärmel, seine Feldbinde und sein stets gezogener Säbel.

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Hauptmann Georg Bacher beim Landestreffen in Mengen 2013

Hauptleute der Bürgerwache Mengen seit 1828:

  • 1828 Bolter, Alois
  • 1837 Jutz, Lorenz
  • 1848 Sigrist, Ph. Jacob
  • 1876 Jung, Martin
  • 1901 Keßler, Raymund
  • 1911 Blank, Karl
  • 1951 Bosch, Karl
  • 1954 Mannhart, August
  • 1962 Keßler, Erwin
  • 1980 Schröter, Willi
  • 1990 Kieferle, Josef
  • Seit 1999 Bacher, Georg

Der Hauptmann Georg Bacher wird von Oberleutnant Stefan König vertreten. Zusammen mit den weiteren Offizieren Joachim Krezdorn und Manfred Müller bilden sie das Kommando der Bürgerwache. Bürgermeister Stefan Bubeck ist ebenfalls Offizier der Bürgerwache.

Patenschaften:

Weblinks Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

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