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Ein Cycleonium ist ein digitales Klanginstrument. Der Prototyp wurde auf der 6th Sound and Music Computing Conference in Porto und der ton:art vor- bzw. ausgestellt. Das Instrument findet Verwendung in dem Stück 5 Klangaktionen von Daniel Dominguez Teruel, die 2009 für den internationalen Wettbewerb des IMEB Bourges ausgewählt wurde.

Beschreibung Bearbeiten

Alltägliche Gegenstände wie ein Fahrrad und Flaschen werden hier in einen neuen Kontext gesetzt und bilden die Grundlage der Klanggestaltung. Sie verlieren somit ihre herkömmliche Funktion und sind als unabdingbare Parameter dieses Instrumentes zu sehen. Das Cycleonium wurde von Daniel Dominguez Teruel 2007-2009 entwickelt und mit Hilfe der Lehrwerkstatt der Chiron-Werke GmbH & Co. KG gebaut.

Datei:Cycleonium.tiff

„Die körperliche sowie mechanische Arbeit, die nötig ist, um diese Klangmaschine zum Klingen zu bringen ist im Grunde genommen nicht von der bei herkömmlichen Musikinstrumenten zu unterscheiden; beispielsweise bei einer Gitarre: sie klingt, beziehungsweise nehmen wir sie akustisch wahr, wenn man die Saiten anregt oder den Korpus auf irgendeine Weise in Schwingung versetzt. Der Spieler wendet also Energie auf und überträgt sie auf das Instrument. Dem Benutzer und Betrachter des Cycleonium soll bewusst gemacht werden, dass Musikinstrumente im Prinzip nichts anderes als Objekte sind, die nur mit einem gewissen Energieaufwand funktionieren. Der dabei entstehende Energiefluss spielt hier eine primäre Rolle. Hierfür wird das Wort Fluxus verwendet, jedoch weniger im Sinne künstlerischer Ästhetik, als von der semantischen Bedeutung (lat. Flux, fluidum = fließen). Jegliche Art von Klängen benötigt Energie um zu erklingen. Sie besitzen zwar Eigenenergie, doch muss diese erst angeregt werden. Ansonsten ist jeder Klang nur ein klingendes Abstraktum, das wir nicht hören (sie sind kein Perpetuum mobile).“

Funktionsweise Bearbeiten

Cycleonium

Cycleonium

Das Cycleonium besteht grob aus drei Teilen: ein Fahrrad, eine Flasche und ein Propeller. Das Fahrrad ist so umgebaut, dass es einem Hometrainer gleicht. Auf diese Art kann der Propeller angetrieben werden, wodurch der dabei entstehende Luftstrom auf die Kante der Flaschenöffnung trifft. Ähnlich wie bei einer Querflöte entsteht im Korpus der Flasche eine periodisch schwingende Luftsäule, die als Tonhöhe wahrnehmbar ist. Die Intensität des Klanges ist abhängig von der Umdrehungszahl des Propellers und somit von der Kraft die der Spieler aufwendet. Die Atemgeräusche des Spielers, sowie die Ketten- und Wellengeräusche des Fahrrads sind ebenso von Bedeutung wie der Klang der Flaschen selbst. Mittels Live-Elektronik werden diese verstärkt und bearbeitet.

Technische Beschreibung Bearbeiten

Die Live-Elektronik erfolgt in Max/Msp auf einem Laptop. Die Klänge können in Echtzeit gepitcht, transponiert, gefiltert, aufgenommen und wiedergegeben und mit Reverb oder Delay bearbeitet werden. Mit einem MIDI-Controller kann man die einzelnen Parameter steuern. Das Cycleonium verwendet an der Flasche ein Elektretmikrofon, ein Kondensatormikrophon mit Nierencharakteristik an der Kette beziehungsweise Welle und ein Dynamisches Mikrophon zur Aufnahme der Atemgeräusche des Spielers.

Beispielsweise kann auf dem Grundton der Flasche eine Obertonreihe mit 15 Teiltönen oder mehr gebildet werden, die einzeln steuerbar sind. Die Spatialisierung wird über Delays realisiert, von denen jedes einzelne gefiltert, in der Tonhöhe verändert und den jeweiligen Audioausgängen zugewiesen werden kann. Um die Flasche in die bestmögliche Position zum Luftstrom zu bringen kann man sie in Höhe, Abstand und Winkel zum Propeller justieren.

Spielweise Bearbeiten

Der Spieler setzt sich wie auf einen Hometrainer und beginnt zu treten. Auf einer Ablage, die auf Höhe des Lenkrads ist, kann er den MIDI-Controller und den Laptop bedienen. Über ein dynamisches Mikrophon auf Mundhöhe kann er mit seiner Stimme experimentieren bzw. Atemgeräusche abnehmen und in Echtzeit per Midi bearbeiten. Das Geräusch der Welle am Propeller und der Kette wird mit einem Kleinmembran-Kondensator-Mikrophon (Niere) abgenommen. Durch Rückwärtsdrehungen der Pedale wird das Geräusch von Kette und Welle prägnanter und bildet gleichzeitig eine klangliche Variation. Durch abwechselndes Vor- und Rückwärtstreten entsteht ein perkussiv rhythmisches Gegenstück zum flächigen Klang der Flasche, der hauptsächlich in der Tonhöhe bearbeitet werden kann. Durch das Hinzufügen von Obertönen, Glissandi und Delays kann man dichte und komplexe Klangstrukturen erreichen.

Aus der Arbeit mit dem Cycleonium entwickelte Daniel Dominguez Teruel das Stück 5 Klangaktionen, das 2009 für den internationalen Wettbewerb des IMEB Bourges ausgewählt wurde.

Literatur Bearbeiten

  • Dominguez, D.; Ferreira-Lopes, P.; Vitez, F; Wikström, V. (2009): New Tendencies in the Digital Music Instrument Design: Progress Report. In Proceedings of the 6th Sound and Music Computing Conference, Porto 2009, 271-276. http://smc2009.smcnetwork.org/programme/pdfs/261.pdf

Weblinks Bearbeiten

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